Juliette (Der Schlüssel der Träume) | Das Nationaltheater Prag

Ein Mann, der Buchhändler Michel, gelangt in ein kleines Städtchen am Meer, einen Ort, den er als Kind schon einmal besucht hat. Aber das ist eine bloße Erinnerung und Erinnerungen sind nicht zu trauen. Hiervon handelt die Oper, denn sie führt uns in einen Raum, dessen Bewohnern die Erinnerungskraft abhanden gekommen ist: eine Welt ganz ohne Gedächtnis und deshalb ein Welt ohne Zeit. Aber es erscheint noch ein anderes Thema, das diesem Vergessenszwang eng verbunden ist. Kann es sein, dass wir unser Leben nur träumen und dass – mit Schopenhauer – das Leben und die Träume allemal nur »Blätter eines und des nämlichen Buches« sind? Dieser alte, von Calderón bis zum Surrealismus ästhetisch stets erneut genährte Verdacht steht auch hinter der zwischen Realität und Illusion beharrlich schwankenden, jeder Handlungslogik baren lyrischen Oper des tschechischen Komponisten Martinů. Die bildermächtige, visionäre Vorstellungswelt des Werkes, bereits im gleichnamigen Drama von Georges Neveux, eines tiefsinnigen Vorläufers des absurden Theaters, gestaltet, wird durch die zwischen Zauberklang und Nüchternheit unvermittelt wechselnde Musik noch vertieft. Martinůs Tonsprache, gleichermaßen an Debussys Wunderwelt wie an Strawinskys Sachlichkeit orientiert, schwankt dementsprechend zwischen den zarten Traumsequenzen eines tristanesken Englischhorns und der mechanischen Eisenbahntoccata eines Lokomotivführers. Erst das unergründliche und beständig verschwimmende Charakterbild des Mädchens Julietta, einer Allegorie der Liebessehnsucht schlechthin, verleiht dem Ganzen einen Sog. Martinů's immer wieder auftauchende Grundfrage »Was ist der Mensch? Was bin ich? Was bist du? Was ist Wahrheit?« kulminiert hier in der Suche nach einem einzigen absoluten Prinzip, das irgendwo im wohl grenzenlosen »Kontinuum von Raum und Zeit, in dem Vergangenheit und Zukunft verworrene Begriffe zu sein scheinen« (Bohuslav Martinů), einmal auftauchen soll. Ist es des Menschen Fähigkeit zur Liebe?

Programm und Besetzung

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Prager Nationaltheater

Das historische Gebäude des National Theaters, 1883 errichtet, ist allgemein als eine erstklassige Bühne in der Tschechischen Republik angesehen. Zur Institution des Nationaltheaters gehören heute fünf Gebäuden und vier umfassenden Unternehmer. Sie können da die Opern-,  Drama- und Ballettaufführungen sehen.

Das Nationaltheater ist der Innbegriff des Willens der tschechischen Nation für nationale Identität und Unabhängigkeit. Die Geldsammlungen durch die breite Masse der Bevölkerung erleichterten seinen Bau und daher die zeremonielle Legung des Gründungssteines am 16 Mai 1868 war gleichbedeutend wie eine nationalweite politische Manifestation.

 

Geschichte

Die Idee, in Prag ein unabhängiges tschechisches Theater zu errichten, entstand bereits 1844, worauf František Palacký am 29. Januar 1845 im Regionalparlament einen entsprechenden Antrag vorlegte, der positiv beschieden wurde. Der erste öffentliche Spendenaufruf des Vereins für die Errichtung eines Tschechischen Nationaltheaters in Prag kam dann aber erst sechs Jahre später, im April 1851. Zunächst wurde ein provisorisches Theater, das 1862 eröffnete Tschechische Interimstheater (České Prozatímní Divadlo), realisiert, bevor Mitglieder des Vereins um Karel Sladkovský, Tyrš, Neruda und Hálek 1865 den Architekten Josef Zítek aufforderten, einen Entwurf einzureichen, der die Ausschreibung dann auch gewann.

 

Anreise

Auto 

Zum Zentrum der Stadt (Altstadt), nähern Sie sich dem Masarykovo nábřeží (Masaryk Damm) an,  an der Kreuzung vor dem Nationaltheater biegen Sie rechts zur Divadelni Straße und dann wieder rechts zur Ostrovní Straße zum Nationaltheaters Parkplatz.

Straßenbahn 

Tagsüber mit Straßenbahn Linien Nr. 6, 9, 18 und 22 und in der Nacht mit Straßenbahnen Nr. 53, 57, 58, 59 bis zur Haltestelle "Národní divadlo" - vor dem historischen Gebäude Nationaltheater;

Metro 

Bis zur Station "Mustek", Linie B (gelb), und dann zu Fuß auf der Národní Straße; oder bis zur Station  “Karlovo náměstí”  und dann zwei Stationen mit der Straßenbahn Nr. 6, 18 oder 22 bis zur Haltestelle "Národní divadlo". Bis zur Station "Staroměstská" Linie A (grün), und dann zwei Stationen mit der Straßenbahn Nr. 17 bis zur Haltestelle "Národní divadlo".

 

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